tag:blogger.com,1999:blog-55401052026950402142020-04-06T09:21:44.429+02:00Jens Thieme: M.O. Und andere Geschichten aus dem 4. ReichKurzgeschichten und Erzählungen von Jens Thieme. "M.O. Und andere Geschichten aus dem 4. Reich". Edition Fischer im R. G. Fischer Verlag Frankfurt 1994, Paperback - ISBN 978-3894069582.Unknownhttp://www.blogger.com/profile/12206078888625988496noreply@blogger.comBlogger13125tag:blogger.com,1999:blog-5540105202695040214.post-62688104826238748002007-07-19T22:24:00.000+02:002014-07-28T18:04:51.706+02:00Am FlußTräge, beinahe ölig fließen die Wasser des Flusses gen Horizont. Wüste Gräser und wildwucherndes Gestrüpp säumen die dunkle Brühe, in der vor Jahrzehnten einmal Kinder planschten und strickende Großmütter ihre dicken Waden kühlten. Früher war hier mehr los.
In den Sommerferien mußte man beim Spazierengehen immer wieder herumtollenden Knirpsen ausweichen, und auf dem Wasser paddelten ganze Unknownnoreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-5540105202695040214.post-41848762403870914452007-07-19T22:02:00.000+02:002014-07-28T18:07:59.403+02:00Letzte Worte auf verkohkem Papier„Höre nie auf anzufangen! — Fange nie an aufzuhören!“
Diese in goldenen Lettem geprägten und in zierlichem Rahmen gefaßten Worte hatten Udo all die Jahre hindurch begleitet. Wie die Fotografie eines geliebten Menschen stand das Bildchen mit dem Spruch auf seinem Schreibtisch. Manches Mal hatte er alles einfach hinwerfen wollen. So viel Leid, Haß und Elend, Gewalt, Brutalität, Perversion — Unknownnoreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-5540105202695040214.post-48680215535254679012007-07-19T12:53:00.000+02:002014-07-28T18:09:22.983+02:00Die gierigen Bestien„Wir lebten einen Traum, Susanne! Nun, da die Zeit der Träume von gierigen Bestien verschlungen wird, können wir nur noch bangen ...“
Dieser Schlußsatz seines Briefes ließ sie nicht mehr los. Wie viele Wochen seit diesen letzten Zeilen ihres Liebsten vergangen waren, wußte Susanne nicht mehr. Sie spürte nur noch eins: rasende Angst um Milan, den sie im letzten Sommerurlaub in einem kleinen Unknownnoreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-5540105202695040214.post-62892897109600895672007-07-18T22:56:00.000+02:002014-07-28T18:10:03.265+02:00Irgendwie Brain-stormSusanna K. aus Halle/S. (15 Jahre): „Ich habe einfach nur Angst. So viel ist in den letzten Monaten passiert. In der Schule muß man immer aufpassen, wo man hinläuft. Einige Mädchen sind schon angefallen worden, meistens auf der Toilette. Da stehen sie dann immer und warten. Wehe, wenn da ein Ausländerkind vorbeikommt.
Ich verstehe das alles nicht. Früher habe ich mich mit allen verstanden, und Unknownnoreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-5540105202695040214.post-2614225488481940132007-07-18T12:06:00.000+02:002014-07-28T18:11:34.082+02:00Das Spiel„Brechendes Eisen.“
„Kreischende Stahlsägen.“
„Der Eiffelturm fällt!“
„Er fällt!!“ schreit er heraus.
Wie von einem Wunder überrascht, neigt sich sein Kopf seitwärts, die in seiner Phantasie selbst projizierten Bilder besser einzufangen. Aufgerissene Augen durchmessen die Leere der kaum wahrgenommenen Umgebung im verrauchten Zimmer.
Grell zirpend, schrill reißend, hart klopfend, dröhnen Unknownnoreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-5540105202695040214.post-46142249011523674042007-07-18T09:38:00.000+02:002014-07-28T18:13:28.674+02:00Das InterviewSamstagmittag gegen zwölf, und eben entlocken mir Daphnes verzweifelte Weckversuche ein erstes Lächeln. „Och!“ prustet die Kleine mokiert: „Du bist ja munter, Papa, und läßt mich die ganze Zeit zappeln!“
Gespielt beleidigt dreht sie sich um, wirft den Kopf zurück und stolziert aus dem Schlafzimmer. Bevor sie die Tür hinter sich zu zieht, wirft sie mir noch einen schelmischen Blick zu und Unknownnoreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-5540105202695040214.post-8749116181342312612007-07-17T23:27:00.000+02:002014-07-28T18:14:36.369+02:00Whu Ki — Kind der goldenen SonneRalf Zehnder ist fünfundzwanzig Jahre alt, etwas dicklich und Sohn einer frustrierten, alleinstehenden Bäckereiverkäuferin. Meistens trägt er Jogginghosen, karierte Hemden und bohrt (wenn er sich unbeobachtet fühlt) tief in seiner etwas zu klobig geratenen Nase.
Eine Lieblingsbeschäftigung von ihm ist es, sich mit einer Flasche Bier im Bett liegend Videos anzuschauen. Da ist die Welt noch in Unknownnoreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-5540105202695040214.post-15394504337578891872007-07-17T22:52:00.001+02:002014-07-28T18:19:30.432+02:00M.O.Donnergrollend spuckt mir das Loch eine dumpfe Klangwolke entgegen.
Jenes schwarze Loch, das mit eben diesen stampfenden Geräuschen tagtäglich unzählige Menschengestalten in sich verschlingt oder auskotzt wie unverdaute Nahrung aus Blechbehältern.
U-Bahn-Station Berlin-Birkenstraße.
Gollernd schaufelt sich der Triebwagen der letzten Nachtbahn durch den Tunnel gleich einer Geisterlore in Unknownnoreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-5540105202695040214.post-58528739100069895152007-07-17T22:50:00.000+02:002014-07-28T18:21:10.142+02:00Am Rande einer DPA Meldungl7jähriger wollte echten Krieg spielenBAD REICHENHALL (dpa). ‚Aus Langeweile“ schlug sich ein l7jähriger aus Brandenburg nach Angaben der Polizei bis nach Kroatien durch, wo er sich um Aufnahme in die Armee bewarb. Dort abgelehnt, versuchte er es — ebenfalls vergeblich — in Bosnien. Dann ging ihm das Geld aus, woraufhin er sich bei der deutschen Botschaft in Zagreb meldete. Einen dort erhaltenen Unknownnoreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-5540105202695040214.post-18421483026836319922007-07-17T22:49:00.000+02:002014-07-28T18:21:29.286+02:00An meinen früheren VerlegerDas gönne ich Dir nicht, C!In letzter Sekunde hat sie Dich eingeholt, Deine Courage, die sich hinkend auf einem Hasenfuß mit Augenklappe aus Selbstsucht und Ohrenschützern aus kleinkarierter Schlafmützigkeit an Dich heranschlich und Dir ihre an den Haaren herbeigezogenen Zweifel ins ehemals so wache Ohr rülpste.Anfang 1992 war‘s noch relativ ruhig, das ist wahr. Aber hätte Dein „Unknownnoreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-5540105202695040214.post-32646582822749026802007-07-17T22:46:00.000+02:002014-07-28T18:22:16.919+02:00Vorwort (von Jörg Reinhardt, Liedermacher und Schriftsteller, Berlin-Wedding)Es hat sich nichts geändert. Immer noch pünktlich um 0.22 Uhr hält der letzte Zug auf Gleis 1. Immer noch kann man dem Ober in der Bahnhofskneipe dann einen schönen Feierabend wünschen und froh sein, wenn man eine Dose Bier im Gepäck hat. Immer noch steht um diese Zeit kein Taxi auf dem Bahnhofsvorplatz, und immer noch denkt man „Provinz!“ und versucht dabei so gelassen wie möglich auszusehen, Unknownnoreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-5540105202695040214.post-7045036986760147272007-06-19T22:32:00.000+02:002014-07-28T18:23:27.731+02:00Nachwort des AutorsEs gibt so vieles, was uns in diesen Tagen wütend macht: Jugoslawien, Somalia, Streibel, Imhausen, der Papst, Stolpe, der Rüstungshaushalt, Modrow, die Gewalt an unseren Schulen. Honecker.
Honecker?
Ach so.
Wie wäre die Welt vor den Kopf geschlagen, würde dieser alte, senile, stalingeile Zausel seine hundertfünfzig DM-Millionen aus grauen DDR-Zeiten für den Aufbau Ost oder die unter seiner „Unknownnoreply@blogger.comtag:blogger.com,1999:blog-5540105202695040214.post-38247281359686482432006-01-22T10:01:00.000+01:002011-01-22T10:06:16.031+01:00Open Directory Project - DMOZ - Link für Jens ThiemeJens Thieme - AutorUnknownnoreply@blogger.com